Grüß Gott,
ich bin Susanne, eine Oma gegen Rechts. Unser Motto „Klimaschutz ist
Enkelschutz“ könnte genauso gut „Artenschutz ist Enkelschutz“ lauten, weil
beides untrennbar miteinander verbunden ist. Dazu meine persönliche
Geschichte:
Meine Großeltern hatten vor 100 Jahren ein Wochenendhäuschen am
Stadtrand von München. Das Grundstück war Moorgrund, Birken wuchsen
dort in den Himmel. Meine Oma war eine Vogelliebhaberin, heute würde
mal wohl sagen „birdwatcherin“. Fuchs und Hase sagten sich dort im
wahrsten Sinne gute Nacht. Die ganze Straße am Ufer der Würm war ein
Naturparadies.
Heute wohne ich auf diesem Grundstück – in der immer noch so genannten
„Wald“straße. Im damaligen Naturparadies stehen Häuser dicht an dicht,
die Bäume sind bis auf wenige Reste verschwunden, Fällaktionen für die
Wohnprojekte und Baumkrankheiten haben dafür gesorgt. Mein Garten ist
zu einem Rückzugsort der Vögel, Insekten, Eichkätzchen, Nagetiere und
vielem mehr geworden.
Wenn mich Freunde und Bekannte besuchen, strahlen ihre Augen. Sie
lauschen den Vogelstimmen und dem Rauschen des Winds in den
Bäumen. Wir setzen uns an die Würm, beobachten die Libellen und mir
wird bewusst: Die Menschen brauchen die Natur, nicht nur als
Nahrungsquelle sondern auch für die Seele. Wir sind Geschöpfe ein und
derselben Mutter Erde.
Alles hängt mit allem zusammen. Jedes kleinste Insekt ist Puzzleteil einer
intakten Natur. Brechen zu viele Puzzlesteine weg, wird es
existenzbedrohend – zuerst von vielen unbemerkt für einzelne Arten und
zuletzt auch für die Art, die für vieles die Verantwortung trägt – den
Menschen.
Während die deutsche Bevölkerung tagelang Liveberichte über den
verirrten Wal in der Ostsee verfolgt, hat sie für den Artenschwund vor ihrer
Haustür meist keinen Blick. Woran liegt das?
Meiner Meinung nach identifizieren sich die Menschen mit dem, was sie
persönlich kennen und erfahren. Bekanntschaft mit Insekten, Vögeln und
anderen Tieren kann man ganz einfach machen – man braucht sie nur
einzuladen. Die privilegierten Menschen mit eigenem Garten oder Balkon
haben dabei eine besondere Verantwortung, für sie ist die Einladung aber
auch ganz leicht auszusprechen:
– Auf den Balkon durch bienenfreundliche Pflanzen und einen Unterteller
voll Wasser. In der Luxusvariante gibt es noch ein Insektenhotel und einen
Nistkasten.
– Einladungen in den Garten wirken unwiderstehlich, wenn sie mit einem
Wildblütenrasen, wilden Ecken, Obstbäumen und Wasserquellen
verbunden sind. Nistkästen, Igelschnecken und Insektenhotels bilden mal
wieder das high class Angebot.
– Auch ohne Balkon oder Garten kann jede und jeder von uns die
Artenvielfalt unterstützen, indem wir z.B. auf einem Spaziergang unseren
Müll und speziell die Zigarettenkippen richtig entsorgen, regionale
Lebensmittel kaufen oder Kosmetik ohne Mikroplastik.
Selbstverständlich sollte sein, dass wir in Naturschutzgebieten auf den
Wegen bleiben und Hinweise zu Brut- ,Laich- und Ruhezeiten ernst
nehmen.
Oder fotografiert einfach beim Spaziergang Pflanzen, Tiere und Insekten in
eine Naturschutzapp. Das entschleunigt, macht Spaß und trägt dazu bei,
dass z.B. der Bund Naturschutz Datenmaterial für seine Forderungen und
Maßnahmen erhält.
Artenschutz betrifft uns alle und nimmt uns auch alle in Verantwortung.
Ich möchte euch motivieren, ein Puzzleteil zu werden für eine lebenswerte,
vielfältige Natur heute und für die nächsten Generationen.
Das Wichtigste am Schluss: Bleibt positiv!
Und jetzt gibt es noch eine kleine musikalische Darbietung.
Viel Spaß
