Rede einer OMA bei der Synagogen-Mahnwache

Mahnwache Synagoge © OGRM

Mahnwache Synagoge © OGRM

Am 25.7.26 fand vor der Münchner Ohel Jakob Synagoge die monatliche Mahnwache der OMAS GEGEN RECHTS statt. Wieder einmal setzten sie ein deutliches Zeichen der Solidarität mit allen Jüdinnen und Juden in unserer Stadt. Hier die dort gehaltene Rede:

Liebe Münchnerinnen und Münchner, liebe Passantinnen und Passanten,
mein Name ist Uschi Welscher-Forche. Ich bin eine  OMAS GEGEN RECHTS und gehöre zu der AG „Solidarität mit Münchner Jüdinnen und Juden“. Wir Omas gegen Rechts setzen uns ein gegen jede Art von Extremismus, Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung von Minderheiten und für Menschenwürde und Menschenrechte immer wieder, zu verschiedenen Zeiten und an unterschiedlichsten Orten.
Wir stehen hier auf dem Jakobsplatz vor der Hauptsynagoge Ohel Jakob – Zelt Jakobs und dem jüdischen Gemeindezentrum, und demonstrieren heute und jeden 4. Samstag explizit gegen den wachsenden Antisemitismus in München.
Dieser architektonisch herausragende Bau gehört nun zum Stadtbild des wiederaufgebauten Münchens und ist die Nachfolgerin der ehemaligen Hauptsynagoge in der Zeit der Hitler Diktatur.
1938 wurde diese alte Hauptsynagoge in der Nacht vom 9. auf den 10. November – bekannt auch als Pogromnacht – in Brand gesteckt und auf Anordnung Hitlers abgerissen. Den Abbruch musste die jüdische Gemeinde in kürzester Zeit selbst durchführen.
Sie war die erste zerstörte Synagoge in ganz Deutschland.
65 Jahre nach der Zerstörung der alten Synagoge und 58 Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs wurde am 9. November 2003 der Grundstein für diesen Bau gelegt.
Diese Synagoge sollte Zeichen setzen, dass jüdische Menschen trotz der bitteren Erinnerung an die Shoah, München, die ehemalige „Hauptstadt der Bewegung“ zu ihrer Heimat gewählt haben in der Hoffnung und im Vertrauen darauf, dass sie willkommen seien, in einem neuen, freien Deutschland, geschützt durch die Postulate unseres Grundgesetzes von 1949 und das Bekenntnis zu den Menschenrechten.
Sie wollten als Jüdinnen und Juden wieder Teil einer offenen, vielfältigen Gesellschaft werden.
Doch scheint dies eine trügerische Hoffnung zu sein.
Schon am Tag vor der Grundsteinlegung 2003 verhinderte die Polizei einen von Neonazis geplanten Bombenanschlag auf dieses Gelände.

Seit der Einweihung des Gotteshauses 2006 also seit 20 Jahren gehört diese Synagoge wie viele alte und neue Gebäude sichtbar zum Stadtbild Münchens.
Sichtbar ja, aber leider fühlen sich jüdische Menschen nicht mehr sicher hier in unserer Stadt. Der Komplex der Synagoge mit dem jüdischen Gemeindezentrum, Kindergarten, Grundschule und Gymnasium muss rund um die Uhr von der Polizei bewacht werden.

Ist das nicht absurd?

Die Slogans „Wehret den Anfängen“ und „Nie wieder“ waren lange Zeit Mahnung vor jeglicher Art von Extremismus und Antisemitismus. Nun sind wir in München, wie auf der ganzen Welt schon wieder mittendrin in Hass und Hetze und Verschwörungstheorien gegen Menschen jüdischen Glaubens.
Antisemitische Gewalttaten, Bedrohungen und Beleidigungen nehmen immer mehr zu, Erst vor wenigen Wochen gab es einen Brandanschlag auf ein jüdisches Lokal in München.

Wieder müssen jüdische Menschen Angst haben, ihre Identität in der Öffentlichkeit zu zeigen. Es ist eine Schande für uns Münchnerinnen und Münchner, dass Jüdische Menschen, in der sogenannten Weltstadt mit Herz nicht in Sicherheit leben können.

Jüdisches Leben gehörte einst zu Deutschland und bereicherte unsere Kultur. Das haben viele Deutsche vergessen oder wollen es nicht wahrhaben. Vielen der jüngeren Nachkriegsgenerationen ist das wahrscheinlich nicht bewusst. Sie tragen keine Schuld bzw. Verantwortung dafür, was in der Nazizeit geschehen ist. Aber sie müssen darüber erfahren, wissen, dass sie Verantwortung für eine menschenwürdige Zukunft tragen.

Unser Statement:
Jüdisches Leben gehört zu München und Deutschland.

Unsere Hoffnung:
Jüdische Kultur kann sich eines Tages frei und sicher ohne Polizeischutz entfalten, was wir auch für andere Minderheiten hoffen!

Unsere Frage :
Was können wir tun?

Denken Sie daran:
Begegnen ist Leben (nach Martin Buber)

Nehmen wir den Mitmenschen wahr!
Reden wir miteinander!
Hören wir zu!
Informieren wir uns!
Benennen wir Unrecht, wo immer wir ihm begegnen.
Sagen wir Nein zu Hass und Hetze!

Antisemitismus bedroht uns alle.
Reden Sie mit uns!