Von der Idee zur Tat – Bilanz der Aktion „Tausende stimmen gegen Rechts“ Juni-September 2021

An einem sonnigen Freitagnachmittag verabschieden sich die Omas gegen Rechts München von der Sendlinger Straße. Fünfzehn erlebnisreiche Wochen lang haben sie sich gegen rechte Politik gestellt und dabei für Toleranz und Respekt in der Gesellschaft und für das Bewahren der Demokratie geworben.

Die Idee eines eigenen Beitrags zur Bundestagswahl entsteht im Februar 2021: In einer Kampagne soll die schweigende Mehrheit zu Äußerungen gegen Rechts bewegt werden. Die eigene Begeisterung wird in einem Kampagnen-Workshop gestärkt. Doch Social Media-Experten erklären den Omas, dass es für eine Kampagne zu spät sei, dass sie weder ein klares Konzept noch eine Reichweite hätten. Schock, Ernüchterung, Zweifel. Trotzdem wollen die Omas versuchen, ihre Aktion „100 Tage bis zur Wahl“ durchzuführen: Ein kleines Team, unterstützt von Professionellen für Grafik und ein Pitch-Video, ruft zu wöchentlicher Präsenz in der Innenstadt auf.

Die intensive Arbeit bis zum Auftakt zahlt sich aus: Süddeutsche Zeitung, Haidhauser Nachrichten, Radio Lora, der Bayerische Rundfunk und MünchenTV berichten über die Aktion „Tausende stimmen gegen Rechts“. Lichterkette e.V. gewährt einen finanziellen Zuschuss.

Bei Kundgebungen an der Münchner Freiheit, in der Sendlinger Straße und auf dem Nordhaideplatz erfahren die Omas, neben wenigen unangenehmen Begegnungen, großen Zuspruch. Mehr als 400 Karten werden von Passant*innen beschriftet und bemalt; rund 100 Personen lassen sich fotografieren oder schicken bebilderte Botschaften ein. Nicht zuletzt werden neue aktive Omas gewonnen.

Tausende zählbare Stimmen sind es am Ende der Aktion zwar nicht, doch Hunderte haben ihr Vertrauen in die Demokratie, ihren Wunsch nach einer gerechteren Gesellschaft und ihre Hoffnung auf eine friedliche Welt mit den Omas geteilt. Zahllose freundliche Gesten bleiben in Erinnerung. Es gibt Grund genug, weiter aktiv gegen Rechts einzutreten, doch die Wahlergebnisse in München sind ermutigend: AfD 4,5% (minus 3,8%), Dritter Weg und NPD 0,0%

Herzlichen Dank für vielfältige Unterstützung:

Saskia Kölliker

Manuela Serafim

Lichterkette e.V.

JIZ München

München ist bunt e.V.

Landeshauptstadt München: Fachstelle für Demokratie, Versammlungsbüro im KVR

Sambagruppe Drumadama

Stelzentheater ZEBRA

www.kvr-muenchen.de

24.09.21 Kampagne in der Sendlinger Straße

 

OMAS sind stark! Mittags demonstrieren sie mit beim Globalen Klimastreik, und um 15 Uhr sind sie bei ihrer eigenen letzten Kundgebung vor der Bundestagswahl zur Stelle. 100 Tage dauert die Kampagne „Tausende stimmen gegen Rechts“; daher werden auch heute, zwei Tage vor der Wahl, noch Stimmen gesammelt. Der Austausch vor allem mit jungen Menschen ist intensiv. Eine junge Frau erzählt, dass sie uns OMAS schon bei vielen Demos gesehen hat und dass sie sich in unserer Nähe besonders wohl fühlt. Die jungen Leute freuen sich, dass wir beim Wählen auf ihrer Seite sind, dass wir zu den Älteren gehören, die das Wohl der Enkel-Generation im Blick haben.

Lisa

17.09.21 Kampagne in der Sendlinger Straße

Weil zwei Tage zuvor im Tagesgespräch des Bayerischen Rundfunks aus Versehen 14 Uhr als Anfangszeit unserer Kundgebung erwähnt worden war, gingen bereits ab 14 Uhr einige Omas mit ihren Schirmen in der Sendlinger Straße spazieren. Und in der Tat: Eine Hörerin kam früh vorbei, und auch viele andere wollten erfahren, was die Omas gegen Rechts bewegt. Als ab 15 Uhr die reguläre Kundgebung begann, wurden noch etliche Flyer zum informellen „Infostand“ 50 Meter weiter transportiert, und uns wurde von Passanten berichtet, dass dort eine sehr gute Stimmung herrsche.

Auch bei uns. Wir sammelten wieder Dutzende spontaner Statements gegen Rechts auf unseren Karten ein und hatten gute Gespräche. Eine Oma der ersten Stunde, die aus gesundheitlichen Gründen kürzertreten muss, staunte über die vielen neuen Gesichter aktiver Omas. Dies ist ein wunderbarer Nebeneffekt unserer Kampagne „Tausende stimmen gegen Rechts“: Neue Omas, die unsere Initiative in jeder Hinsicht bereichern.

(Lisa)

Lange Nacht der Demokratie 2. Oktober 2021

IN DIESER NACHT DREHT SICH ALLES UM UNSERE DEMOKRATIE.
BIST DU DABEI?

Vor dem Riesenrad und im Container Collective                                          15:00 – 24:00 im Werksviertel-Mitte
Ab 15 Uhr Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien
München Hoch5
Um 18 Uhr Auftakt zur „Langen Nacht der Demokratie“
Let,s fall in love again. Liebeserklärungen an die Demokratie
• Maximilian Dorner, Schriftsteller und Dramaturg
• Luise Kinseher, Kabarettistin und Schauspielerin
• Tom Kucera, Rabbiner, Liberale Jüdische Gemeinde München (Videobotschaft)
• Antonia Messerschmitt, Klimaaktivistin, Fridays for Future München
Krisen demokratisch bewältigen – die geteilten Gewalten im Gespräch
• Gülseren Demirel, MdL, Mitglied des
Präsidiums des Bayerischen Landtags
• Christoph Göbel, Landrat des
Landkreises München
• Dr. Joachim Heßler, ab 1. Oktober Präsident des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs
Für den musikalischen Rahmen sorgt die Unterbiberger Hofmusik.
Demokratie*Rad
Ab 16 Uhr freie Fahrt im UMADUM – das Münchner Riesenrad,
Ab 20 Uhr Workshops und Gespräche
Umfangreiches Programm, hier geht es zum Flyer
Alle Angebote unter www.lndd.de/muenchen

Veranstaltungs-Empfehlung am 21. September 2021: Online-Veranstaltung mit Hajo Funke und Birgit Mair: „Zwischen Radikalisierung und Normalisierung: Die AfD und ihre digitalen Helfernetzwerke“

Liebe Bildungsinteressierte,
wir laden Sie herzlich zu unserer nächsten Bildungsveranstaltung gegen Rechts ein und freuen uns, wenn Sie diese bewerben. Das beigefügte Bild darf für Werbezwecke in den sozialen Medien verwendet werden.
„Zwischen Radikalisierung und Normalisierung: Die AfD und ihre digitalen Helfernetzwerke“
Termin: Dienstag, 21. September 2021, 19 Uhr
Anmeldung per E-Mail an info@isfbb.de
Referent:innen: Hajo Funke & Birgit Mair
Institut für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung

OMAS GEGEN RECHTS vor dem Einkaufszentrum MIRA am 10.09.2021

Los gings mit einem Transportwägelchen voller Materialien von OMAS GEGEN RECHTS in Richtung Dülferstraße. Das Einkaufszentrum MIRA war diesen Freitag unser Ziel. Zwei Stelzenläufer, die von uns eingeladen waren, haben eine magische Stimmung auf den Nordheideplatz gezaubert. Unsere Botschaft, 10 000 Stimmen gegen Rechts kam auch in diesem Stadtviertel gut an und wir konnten viele Flyer mit Statements gegen Rechts wieder mit zurück in die Stadt nehmen.

OMAS GEGEN RECHTS am 10.9. vor dem Einkaufszentrum MIRA

Seit Juni sammeln die Münchner Omas gegen Rechts Stimmen für die Demokratie und ein friedliches Miteinander, gegen Ausgrenzung, Hass und Gewalt. Sie demonstrieren jeden Freitagnachmittag und sind am 10.9. von 15 bis 17 Uhr auf dem Nordhaideplatz anzutreffen. Sie werden nicht zu übersehen sein, denn bunte Stelzenläufer unterstützen die Kundgebung.

Die Omas gegen Rechts hoffen auf gute Gespräche, auch mit Andersdenkenden. Die Kampagne richtet sich nicht nur an Stimmberechtigte, sondern auch an Bürgerinnen und Bürger, die kein oder noch kein Wahlrecht haben, denn diese sind genauso von der Politik der nächsten Regierung betroffen. Alle können spontan vor Ort, später per Postkarte oder mit einem Foto ein Statement abgeben, wenn sie über den politischen Rechtsruck besorgt sind.

Noch 2 Wochen bis zur Bundestagswahl! Jede eingehende Botschaft schafft Hoffnung für den Zusammenhalt der Gesellschaft. Hunderte Zuschriften sind bis Ende August bereits eingegangen und hier auf der Homepage  unter „Reaktionen auf die Kampagne“ anzuschauen. Neue Mitstreiterinnen wurden gefunden. Und eine große Wertschätzung ist die Förderung der Kampagne durch die Lichterkette e.V.

Vergiss es! Wir swingen gegen Rechts.

Deutschland sagt charmant #vergisses zu Hetze und Rechtspopulismus. Macht mit bei der Hashtag-Challange! Alle Infos auf

www.vergisses.info

TEILT DAS VIDEO! Denn wir sagen „Vergiss es!“ zu Hetze und Rechtspopulismus. Und macht mit bei der Hashtag-Challenge auf

Deutschland sagt charmant #vergisses

Hier geht es zu Video

Die Omas gegen Rechts sagen Danke, dass sie mitmachen durften!!

Omas gegen Rechts München in Landsberg am 14.8.21

Landsberg am Lech war nicht ein Ort wie jeder andere (so wie es der Titel eines Buches von 1995 glauben machen wollte). Denn in der Umgebung der damaligen Garnisonsstadt wurde während der NS-Zeit mit 11 Standorten das größte Außenlager des KZ Dachau errichtet. Hier mussten vom Sommer 1944 bis zum Kriegsende 1945 ca. 23 000 vorwiegend jüdische Gefangene einen riesigen unterirdischen Bunker errichten, in dem der erste Jagdbomber gebaut werden sollte. Etwa 6500 Inhaftierte, die zuvor in anderen Konzentrationslagern gelitten hatten, starben unter den mörderischen Bedingungen an Hunger, Krankheiten und Erschöpfung. Die Lager waren als „kalte Krematorien“ berüchtigt.

Da Erinnerungsarbeit ein Kern unseres Selbstverständnisses ist, beschlossen wir, das noch in Teilen erhaltene ehemalige Lager VII Landsberg/Kaufering zu besichtigen. Aus aktuellem Anlass war auch eine Protestaktion geplant. Der Hintergrund: In einem gerade im Bau befindlichen Wohn- und Gewerbequartier sollte das wichtigste Gebäude nach dem ehemaligen Direktor der Pflugfabrik Landsberg (während des 2. Weltkriegs auch ein Rüstungsbetrieb), Karl Schrem, der Mitglied der NSDAP war, benannt werden.

Im Landsberger Tagblatt wurde unser Besuch vorab angekündigt und ein Photograph, der für die Zeitung arbeitet, erwartete uns bereits am Landsberger Bahnhof. Nachdem wir am Baugelände ein Schild mit aktuellem Statement hinterlassen hatten, informierte uns Wolfgang Hauck, der Leiter des Vereins „Die KunstBauStelle e.V.“ über die Entwicklung und den aktuellen Stand der Erinnerungsarbeit vor Ort.

Am Nachmittag nahmen wir  im ehemaligen Lager VII an einer Führung durch den Präsidenten der Europäischen Holocaustgedenkstätte Stiftung, Manfred Deiler und seiner Frau Helga Deiler teil. Hier sind noch Überreste von Erdhütten und Tonröhrenbaracken zu sehen. Insgesamt macht dieser verlassene, bedrückende Ort, an dem im Sommer Schafe weiden, den Eindruck, dass die Opfer von offizieller Seite vergessen wurden. Seit Jahren setzen sich das Ehepaar Deiler und Wolfgang Hauck von der KunstBauStelle dafür ein, dass die Staatsregierung dort ein Dokumentationszentrum errichtet.

Über Fragen, wie Erinnerungsarbeit in diesem Umfeld würdevoll gestaltet werden kann und wie wir Omas gegen Rechts Unterstützung leisten können, konnten wir uns auf einer abendlichen Diskussionsveranstaltung austauschen, an der neben dem Ehepaar Deiler, Wolfgang Hauck, der Landtagsabgeordneten der Grünen, Gabriele Triebel, auch Dr. Edith Raim von der Universität Augsburg teilnahmen. Themen wie: Wie vermittelt man NS-Geschichte in einer Einwanderungsgesellschaft? Wie erreicht man Jugendliche emotional in einer Zeit, in der es kaum noch Zeitzeugen gibt? standen im Zentrum.  Hier wurden wir Omas gebeten, die anwesenden Akteure in Landsberg durch unsere Besuche weiterhin zu unterstützen und unsere pädagogische Expertise in Gesprächen mit Jugendlichen einzubringen. Welch wertvollen Beitrag ein Dokumentationszentrum Kaufering VII leisten würde für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Gedenken an die Opfer, die Unterstützung ihrer Hinterbliebenen und gerade auch für jene, die in anderen Ländern eine entsprechende Erinnerungskultur vermissen müssen, das wurde den Anwesenden deutlich.

Übrigens: einen Erfolg konnten wir mit unserem Besuch schon verbuchen: Der Investor des o.g. Gebäudes gab in einer Pressemitteilung bekannt, einen anderen Namen zu suchen.

Für Interessierte:

http://www.landsberger-zeitgeschichte.de

http://www.landsberghistory.de/

http://www.diekunstbaustelle.de/

Buchempfehlung: Solly Ganor: Das andere Leben (Jüdischer Häftling in einem Außenlager Kaufering)

https://www.kreisbote.de/lokales/landsberg/erinnerungskultur-muenchener-omas-gegen-rechts-zu-besuch-in-landsberg

https://www.augsburger-allgemeine.de/landsberg/Landsberg-Schrem-Bau-Omas-gegen-Rechts-sind-in-Landsberg-unterwegs

https://vimeo.com/588825293