Münchner Oma gegen Rechts zu Gast bei den Warschauer OMAS „Polskie Babcie“

Die POLNISCHEN OMAS demonstrieren jeden Donnerstag um 16.30 Uhr an einer belebten Warschauer Kreuzung. Das wissen wir deutschen OMAS GEGEN RECHTS, seitdem im Frühjahr ein Austausch per E-Mail begann. Lautstark mit Megaphon, Gesängen und Parolen kämpfen etwa 20 Frauen und Männer, Ältere und Jüngere für den Erhalt ihrer jungen Demokratie, gegen den Abbau des Rechtsstaats, dabei sehr deutlich gegen die Regierung mit „PiS-off“. Auf den Transparenten steht: „Wenn Unrecht Recht wird, ist Widerstand Pflicht“, „Wach auf Polen, noch ist Zeit“, „LGBT – das sind Menschen“, „Freie Medien“, „Stopp dem Hass, der Gewalt und der Aggression“, „Weg mit PiS“, „Das Recht auf Abort ist ein Menschenrecht“.
Lisa aus München schloss sich zusammen mit ihrem Mann am 5. August der Demo an und wurde sehr freundlich aufgenommen. Lisa bekam die bunte Fahne der Polskie Babcie in die Hand gedrückt; ihr Mann Helmut durfte die Europa-Fahne schwenken. Nach einer halben Stunde zog die Gruppe, eskortiert von der Polizei, durch das Zentrum bis zum Fuß des alles überragenden Kulturpalasts. Überall Daumen hoch und Lächeln von Passant*innen, denen die Babcie freigiebig Sticker schenkten. Zum Schluss vor der Metro-Station kamen zwei junge Mädchen auf die Babcie zu, bedankten sich für das Engagement und überreichten einen Blumenstrauß.

An diesem 5. August ging die Gruppe nach ihrer Kundgebung noch nicht nach Hause, sondern beteiligte sich am Gedenken für die 50.000 von den Nazis ermordeten Zivilisten beim Warschauer Aufstand 1944. Im Ortsteil Wola wurden am Denkmal zahlreiche Kränze niedergelegt, darunter auch vom deutschen Botschafter. Nur beim Kranz der LGBT ging ein missbilligendes Zischen durch die Menge, und eine OMA vermutete, dass dieser Kranz sicher bald entsorgt wird.
Schließlich ging es noch zu einem Friedhof, wo Tausende Namen von A bis Z in einer Allee weißer Stelen an die Opfer erinnern. Eine 94-jährige Überlebende des Aufstands hielt eine ergreifende Rede. Lisa und Helmut bekamen eine Kerze und ein Namensblatt in die Hand gedrückt, suchten den Namen von Marian Lapinski, einem Mechaniker, der nur 38 Jahre alt wurde, und zündeten für ihn eine Kerze an.

Die OMAS GEGEN RECHTS – DEUTSCHLAND BÜNDNIS haben fest vor, die Kooperation mit den POLSKIE BABCIE weiter zu intensivieren. Dieses persönliche Kennenlernen war dafür ein guter Grundstein.

(Lisa)

 

 

Viel Zuspruch und heiße Diskussionen in der Sendlinger Straße am 20.8.2021

Viele Passant*innen bleiben stehen bei den Omas gegen Rechts, etliche schreiben ihr Statement für Vielfalt, Demokratie und friedliches Miteinander auf oder lassen sich fotografieren. Zwei Frauen melden neu ihre aktive Mitarbeit in der Gruppe an. Und es wird deutlich, wo so manche*n der Schuh drückt. Die Sozialpolitik, insbesondere die Rentenpolitik der Regierung, ist Thema heißer Debatten.
Wen wählen im September? Welche Partei bietet Lösungen für die vielfältigen Probleme an? Die Omas gegen Rechts wahren ihren Grundsatz der Überparteilichkeit und enthalten sich jeder Wahlempfehlung außer: Wählen gehen! Demokratische Parteien wählen! Für Interessierte halten sie Analysen von Parteiprogrammen bereit.

Zwei Passantinnen geraten in einen hitzigen, lautstarken Streit mit bösartigen Beschimpfungen. Die Omas haben Mühe, die Streithälse auseinander zu halten. Wie wir später erfahren, haben Außenstehende die Konfrontation zwischen der Frau ganz in Weiß und der schwarzgekleideten Kontrahentin als theatralische Inszenierung empfunden. Nein, eine derartige Eskalation ist neu und unerwartet. Künftig werden wir früher die Polizei einschalten.

Förderung der Kampagne „Tausende Stimmen gegen Rechts“ durch die Lichterkette e.V.

Wir danken der Lichterkette e.V. für finanzielle Förderung der Kampagne und den damit verbundenen Vertrauensbeweis. Alle Omas sind und bleiben ehrenamtlich engagiert. Dass aus diesem Herzblut-Engagement die Kampagne „Tausende stimmen gegen Rechts“ entstand, verdanken wir auch drei Fachfrauen für Kampagnen-Management, Grafik und Film. Mit den Fördermitteln können wir ihnen ihr professionelles Engagement honorieren.

 

WIR IST PLURAL – Kampagne „Tausende Stimmen gegen Rechts“ in der Endauscheidung!


Herzlichen Dank allen, die für uns im Online-Voting ihre Stimme abgegeben haben. So schaffte es die Kampagne der Münchner Omas gegen Rechts unter die Top 50 der Nominierten.
Ob wir es auch unter die 15 Preistragenden mit einer Gold-, Silber- oder Bronze-Auszeichnung schaffen, das entscheidet im nächsten Schritt die Fachjury. Daumen drücken!

Ein Aufruf der Omas gegen Rechts Deutschland Bündnis

Liebe Großeltern, liebe Eltern!
Kinder und Jugendliche haben bei Wahlen noch keine Stimme.
Junge Wähler*innen unter 30 machen nur 14 Prozent der Wahlberechtigten aus.
Daher werden die Anliegen der jungen Generation häufig in den Parteiprogrammen ignoriert.
Die über 50-Jährigen sind mit 57,8 Prozent die entscheidende Mehrheit der Wählerschaft.
Lasst uns unsere Stimme für die jungen Menschen und ihre Zukunft einsetzen!
Ihr entscheidet heute über das Morgen Eurer Kinder und Enkelkinder.
Euer Kreuz auf dem Wahlzettel stellt die Weichen für eine Gesellschaft, in der sie leben werden.
Ihr habt die Verantwortung auch für die Zeit, die Ihr selbst nicht mehr erleben werdet.
Unsere Kinder und Enkelkinder tragen die Folgen unserer Entscheidungen.
Sprecht mit euren Kindern und Enkelkindern.
Hört ihnen zu.
Was brauchen sie und was wünschen sie sich für ihr Leben?
Was erhofft Ihr Euch für sie?
Überlegt gemeinsam, wie die Welt morgen aussehen soll.
Schaut zusammen in die Wahlprogramme.
Vergleicht und prüft sie.
Welche Zukunft kann man daraus ableiten?
Geben sie Antworten auf Eure Fragen und Anliegen?
Lösen sie existenzielle Probleme wie Klimanotstand oder soziale Ungerechtigkeit?
Seid gute Stellvertreter Eurer Kinder und Enkelkinder!
Gebt ihrer Zukunft eure Stimme!
Liebe junge Menschen!
Sprecht mit älteren Menschen, verschafft euch Gehör!
Ihr dürft noch nicht wählen, sie wählen für Euch mit.
Also erklärt ihnen, was Ihr braucht für Eure Zukunft.
Checkt gemeinsam die Wahlprogramme.
Fordert sie dazu auf, in Eurem Interesse zu wählen.
Für eine enkeltaugliche Zukunft!
OMAS GEGEN RECHTS DEUTSCHLAND-BÜNDNIS

Jugendinformationszentrum München

Wir bedanken uns beim Jugendinfomationszentrum München für die tolle Unterstützung bei unseren Freitagsaktionen in der Sendlinger Straße

13.08.21 Kampagne in der Sendlinger Straße

Während des Abholens der Materialien im JIZ erreichte mich ein Anruf der Polizistin, sie müsse zu einem Einsatz. Wir bauten unsere Fläche vor den Blumenkästen auf, ein sehr dekorativer Hintergrund. Begleitet wurden wir von Anfang an mit angenehmer Saitenmusik.
Bei großer Hitze waren zunächst wenige Menschen unterwegs. Dennoch erreichten uns viele begeisterte und ermutigende Rückmeldungen. Besonders hingebungsvoll: eine Klosterfrau, die wir schon öfter auf Demos getroffen haben.
Da die Polizistin nicht mehr kam, habe ich versucht, nach der Aktion auf die Mailbox gesprochen. Ich bin nicht sicher, ob das angekommen ist.

Demo Sea Eye am 07.08.21 am Marienplatz

Die Veranstaltung war sehr gut organisiert. Trotz der ernsten und oftmals bitteren Erzählungen, die teils von den Geflüchteten selber, teils von Sprecher*innen vorgetragen wurden,

überwog eine gute Stimmung, auch dank der Musik. Der Bericht einer Mutter, die ihre Tochter gerade noch vor der Beschneidung retten konnte aber nicht vor dem Verschwinden im Meer, geht mir immer noch nach. Eine Cellistin hat diesen Text sehr einfühlsam begleitet.

Wirklich eine sehr beeindruckende Kundgebung. Schade, dass nur wenige davon wussten. Mit Ankündigungen in den Zeitungen und Anzeigenblättern hätten wir bestimmt noch viel mehr Menschen, die ein Herz haben, erreichen können.

Christine

6. August 2021 Kampagne in der Sendlinger Straße 19

Nach dem Monsunregen in den letzten Tagen hatte der Himmel ein Einsehen und klarte rechtzeitig zu unserer Aktion am Freitagnachmittag auf. Und so konnte der große Schirm, den ich mitgebracht hatte, tatsächlich als Sonnenschirm dienen. Dieses Mal musste niemand das „Omas-Versammlungszubehör“ von weither anschleppen. Es war im Jugendinformationszentrum deponiert und wir hatten nur ein paar Schritte zu unserem „Versammlungsort“.

An diesem Freitag war ich Versammlungsleiterin und traf auf zwei sehr wohlwollende Polizisten, die schnell davon überzeugt waren, dass wir mit einer gewissen Routine unsere Aktion auflagengerecht durchführen würden. Wie die letzten Male auch erregten wir  zwei Stunden lang mitten in München Aufmerksamkeit und  in den meisten Fällen positive Resonanz. Ich selber hatte ein sehr berührendes Erlebnis:

Ein Passant ließ sich von mir genau erläutern, wofür wir Omas stehen, um mir dann zu versichern, wie wichtig unsere Arbeit auch für ihn persönlich sei. Ein Großteil seiner Familie sei nach Treblinka deportiert und dort ermordet worden. Und seine Kinder müssten es heutzutage wieder hinnehmen, als Juden beschimpft und bespuckt zu werden. Dann spendete er € 50,- , die mit uns einem guten Zweck dienen würden. An dieser Stelle danke ich dem großzügigen Spender und versichere ihm, dass der Kampf gegen Menschenfeindlichkeit uns weiterhin Programm und Auftrag ist.

Ursula